Mit sechzehn bin ich auf einer Klassenfahrt nach Rom gereist. Kannst du dir vorstellen, dass mir diese Brücke, die Castel Sant’Angelo, am meisten in Erinnerung geblieben ist – mehr noch als das Kolosseum, in Italien?
Selbst heute kann ich nicht ganz erklären, warum. Vielleicht liegt es daran, wie die Statuen über die Stadt zu wachen scheinen, oder daran, wie sich die Festung am Ende der Brücke erhebt, wie ein Versprechen auf unerzählte Geschichten.
Zwei Jahrzehnte später kehrte ich zurück – nicht als Tourist, sondern als Fotograf. Und dieses Mal wollte ich festhalten, wie sich diese Erinnerung anfühlte.
Auf der Suche nach der perfekten Symmetrie
Der März war mir wohlgesonnen. Die Bäume standen kahl und gaben den Blick auf den Tiber frei. Tagelang umkreiste ich die Engelsburg – über die Brücke, darunter hindurch und vom anderen Ufer aus –, auf der Suche nach einem Bildausschnitt, der Erinnerung und Geometrie in Einklang brachte.
Ich entschied mich für das gegenüberliegende Ufer des Tiber, gleich hinter der Ponte Sant’Angelo. Aus diesem Blickwinkel lenkt die Brücke den Blick direkt auf die Festung. Ihre Bögen spiegeln sich im stillen Fluss und bilden ein Spiel aus Licht und Schatten, das fast musikalisch wirkt.
Als die Sonne verschwand, tauchten Roms goldene Straßenlaternen die Brücke in ihr Licht. Ich wartete auf diesen Moment dazwischen, wenn der Himmel tief kobaltblau wird, aber noch bevor die Nacht alle Details verschluckt. Das ist der Zauber der blauen Stunde – der perfekte Moment zwischen Tag und Nacht, in dem warme Töne auf kühle Blautöne treffen.
Die Engelsburg in der blauen Stunde fotografieren
Für diese Aufnahme wollte ich eine Langzeitbelichtung, die das Wasser glättet und die Spiegelungen hervorhebt.
EXIF-Daten: Sony ILCE-7RM5 | ISO 100 | f/16 | 30 Sekunden | auf einem Stativ.
Bei Blende f/16 wurden die Lichtpunkte der Lampen gestochen scharf, was der Szene eine fast überirdische Symmetrie verlieh. Die 30-sekündige Belichtungszeit milderte die Bewegung des Flusses und verwandelte ihn in eine spiegelglatte Oberfläche, in der sich der Schein der Festung widerspiegelte.
Fototipp:
Komm 30 Minuten vor Sonnenuntergang, um dir deinen Platz zu sichern.
Verwende einen Fernauslöser oder den 2-Sekunden-Selbstauslöser, um Verwacklungen zu vermeiden.
Ein Mikrofasertuch hilft dabei, dass die Ufer des Tiber im März beschlagen sein können.
Achte auf Spiegelungen: Das ruhige Wasser ist dein Spiegel; passe deine Höhe leicht an, wenn Boote oder Licht das Wasser stören.
Warum diese Szene wichtig ist
Für mich war das nicht einfach nur ein weiteres Stadtbild. Das Fotografieren der Engelsburg war für mich eine Art, zu dem Staunen des Sechzehnjährigen zurückzufinden – zu dem ersten Moment, als mir klar wurde, dass Architektur durch Licht sprechen kann.
Es ist schon komisch, wie man nach Jahren, in denen man nach der perfekten Belichtung gesucht hat, manchmal eigentlich nur eine Erinnerung festhalten will.
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