Weißt du, als ich meine Reise nach Bulgarien geplant habe, habe ich etwas Merkwürdiges entdeckt. Etwas, das Kindheitserinnerungen wachgerufen hat. Kannst du erraten, was es war?
Züge.
Eisenbahnstrecken haben für Bulgarien eine enorme Bedeutung! Das Land ist fast ausschließlich von seinen Bergen geprägt – wo auch immer man hinkommt, trifft man auf Gipfel, Täler und kurvenreiche Pässe. Das machte Bulgarien jahrhundertelang schwer zugänglich.
Das ist nun mal Fluch und Segen zugleich. Das Gute daran ist, dass diese Abgeschiedenheit dazu beigetragen hat, die Kultur des Landes zu bewahren – in abgelegenen Dörfern, Klöstern und Tälern wie denen des Rhodopengebirges. Das Osmanische Reich herrschte einst jahrhundertelang über diese Gebiete, doch das Hochland hat einen Großteil seiner Ursprünglichkeit bewahrt.
Als ich also von der Schmalspurbahn las, die sich zwischen Bansko und Plovdiv durch das Rhodopengebirge schlängelt, wusste ich, dass wir diesen Abstecher machen mussten.
Eine Fahrt, die den Umweg wert ist
Die Fahrt war nicht einfach. Die ganze Zeit über enge, kurvige Straßen. Ungeduldige Autofahrer stauten sich hinter mir, weil ich mich weigerte, einen vor mir fahrenden Lkw zu überholen – denn ich konnte absolut nichts sehen.
Und dann ist mir dieser Sender aufgefallen.
Neben der Straße war gerade genug Platz, um anzuhalten, auszusteigen und die Gegend zu erkunden. Es war faszinierend; der Bahnhof wurde offensichtlich noch instand gehalten und hatte einen gültigen Fahrplan – aber er wirkte so abgelegen, dass er unmöglich in Betrieb sein konnte.
Ich ließ die Drohne starten, und um mich herum war nichts. Kein Dorf, kein Haus, nichts.
In diesem Moment dachte ich: Das ist wahrscheinlich der abgelegenste Ort in Europa, an dem man noch immer erreichbar ist.
Fotografie-Tipps für das Rhodopengebirge
Dieses Foto wurde mit einer Sony ILCE-7RM5 aufgenommen, bei Blende f/8, 1/250 Sek. und ISO 100.
Die Mittagssonne brannte heiß, aber ich nutzte das zu meinem Vorteil. Der sanfte Dunst über den Bergen sorgte für einen nostalgischen Schimmer – perfekt, um dieses ruhige Gefühl von „in der Zeit verloren“ zu vermitteln. Der Baum vor dem Bahnhof sorgte für Ausgewogenheit in der Komposition und lenkte den Blick auf die Kurve der Bahnstrecke, die in den Felsen verschwand.
Fototip:
In bergigem Gelände wie den Rhodopen kann das Mittagslicht gnadenlos sein. Aber wenn du den Kontrast nutzt – und die Schatten der Landschaft einsetzt, um dein Bild zu gestalten –, kannst du trotzdem eine Geschichte voller Tiefe und Atmosphäre erzählen.
Eine Verbindung durch die Zeit
Während ich dort stand, umgeben von Felsen und Stille, dachte ich an all die Menschen, die im Laufe der Jahre diesen kleinen Bahnhof wohl passiert haben. Bauern, Händler und vielleicht sogar Träumer auf der Suche nach einem Neuanfang.nDie Rhodopen-Schmalspurbahn ist mehr als nur eine Bahnstrecke. Sie ist eine Lebensader, die abgelegene Dörfer verbindet, sich durch Schluchten schlängelt und eine Kultur am Leben erhält, die sich weigerte, zu verschwinden.nWenn du jemals durch Bulgarien reist, nimm die langsamere Route. Die Züge mögen alt sein, aber die Geschichten, die sie erzählen, sind zeitlos.
Erfahre mehr über die Rhodopen-Schmalspurbahn
Mehr über ihre faszinierende Geschichte und die aktuelle Strecke erfährst du auf der Seite zur Rhodopen-Schmalspurbahn. Und wenn du Eisenbahnfan bist, schau dir doch mal meine anderen Blogbeiträge an, diesmal über Eisenbahnschienen und den Bahnhof Friedrichstraße | Berlin, Deutschland oder über den Uhrturm von Plovdiv bei Sonnenuntergang | Bulgarien.










